Bereits zum dritten Mal treffen sich die besten Schnee- und Eisathleten der Welt in Kanada. Dabei hat man sich topografisch immer weiter nach Westen vorgearbeitet - so wie einst die Siedler und Goldgräber. Nach der französischsprachigen Ost-Metropole Montreal (1976) und Calgary (1988) im Landesinneren heißt es nun: Auf zum Pazifik. Das nur wenige Kilometer von der US-amerikanischen Grenze entfernte Vancouver gilt als eine der lebenswertesten Städte der Welt. Den Spielen zwischen Meer und Bergriesen dürfte die 600.000 Einwohner zählende Stadt eine würdige Kulisse bieten. Da Vancouver neun Stunden hinter der deutschen Zeit zurückliegt, werden Olympia-Fans mit normalem Biorhythmus wohl vor allem die Vormittagswettbewerbe live im Abendprogramm verfolgen. Die Berichterstattung von ARD und ZDF beginnt um 18 Uhr und endet um 9 Uhr morgens. Am Vormittag des Folgetages sorgt Gerhard Delling (ARD, 9 bis 12 Uhr) im Wechsel mit Rudi Cerne (ZDF, 10 bis 13 Uhr) für eine Aufarbeitung des Geschehenen. Noch epischer heftet sich lediglich Eurosport an die Fersen der Sportler. 24 Stunden täglich will der Spartensender aus Vancouver berichten.
Der Sender Eurosport, der ankündigt, keine Live-Medaillenentscheidung verpassen zu wollen, möchte mit Split-Screen im Stile der TV-Serie "24" überall dort sein, wo Edelmetall vergeben wird. Liveberichte sind zwischen 18.30 und 08.15 Uhr geplant. Tagsüber sendet Eurosport Wiederholungen der wichtigsten Ereignisse. Ganz so manisch dürfen die Vollprogramme ARD und ZDF das Projekt Olympia freilich nicht angehen. Trotzdem sprechen gut 220 Sendestunden in 15 Tagen nicht gerade für mangelndes Selbstbewusstsein in Sachen Wintersport. Beide öffentlich-rechtlichen Sender opfern für Vancouver ihr reguläres Abendprogramm, lediglich die Nachrichten-Flaggschiffe werden in das Sportprogramm eingebettet.
Nicht nur rund 5.000 Sportlerinnen und Sportler aus 80 Ländern brennen darauf, eine der begehrten 256 Medaillen zu erkämpfen. Auch etwa 10.000 Medienvertreter werden in Vancouver erwartet. ARD und ZDF, die Olympia als Start für den Regelbetrieb ihrer Programme in HD ausrufen, beginnen den frühen (deutschen) Abend in ihrem gläsernen Studio vorm Bergpanorama in Whistler. Wer die nötige Technik sein Eigen nennt, dürfte sich also über die plastischsten Schnee- und Schweißbilder aller Zeiten freuen. Im 120 Kilometer nordöstlich von Vancouver gelegenen Ski-Eldorado Whistler - hier fallen 46 von 76 Entscheidungen - finden die Wettbewerbe Biathlon, Ski-Langlauf, Skispringen, Nordische Kombination, Bob, Ski Alpin, Rodeln und Skeleton statt. Ist die Sonne untergegangen - in Deutschland dürften diese Wettbewerbe ab 1 Uhr morgens starten -, wird die Medaillenhatz der Wettbewerbe Eishockey, Shorttrack, Eiskunstlauf, Curling, Freestyle Skiing, Snowboard und Eisschnelllauf (in Richmond) unter großstädtischem Hallendach fortgesetzt.
Aus dem ARD/ZDF-Gemeinschaftsstudio in Vancouver berichten dann Katrin Müller-Hohenstein, Norbert König, Michael Steinbrecher und Sven Voss fürs Zweite. Michael Antwerpes und Claus Lufen teilen sich die gleiche Aufgabe im Ersten. Aus dem "Deutschen Haus" berichtet zudem Waldemar Hartmann (diesmal ohne Harald Schmidt), Peter Großmann ist fürs ARD-Morgenmagazin vor Ort.
Vancouver beherbergt nach San Francisco und New York das drittgrößte chinesische Viertel Nordamerikas, jeder Dritte ist hier asiatischer Abstammung. Zudem gilt die kanadische Westmetropole als eine der Städte mit der höchsten Lebensqualität weltweit: Shopping, Infrastruktur, Klima, Jobs - hier stimmt einfach alles. Sogar eine Filmindustrie von bedeutender Größe arbeitet hier - weswegen Vancouver auch "Hollywood North" genannt wird.
In eine solche Stadt lassen sich auch die Experten der deutschen Sender gerne einladen, sofern sie nicht ohnehin schon vor Ort sind. Der Pop-Sänger Michael Bublé aus Vancouver sorgt nicht nur für den ZDF-Song zu den Bildern des Tages, er wird auch als "Special Guest" dem deutschen Zuschauer seine Stadt näher bringen. Auch Amerika-Korrespondent Klaus-Peter Siegloch und sein Team verstärken für die Dauer der Olympiade die ZDF-Sportredaktion. Im Ersten soll dagegen Eis-Diva Katharina Witt mit festen Kolumnen für fachkundige Zerstreuung zwischen den Live-Wettbewerben sorgen, ebenso wie Jörg Kachelmann mit seiner Rubrik "Olympia-Wetter".
Fans von staatstragender Musik mit Live-Tränen haben leider Gottes eine ziemlich unangenehme Pille zu schlucken. Die täglichen Siegerehrungen finden um 4 Uhr deutscher Zeit statt. Wie oft dort die deutsche Hymne zu hören sein wird, darüber streiten sich wie immer Experten und Wahrsager. Gute Chancen aufs Treppchen rechnen sich wie immer Rennrodler, Bobfahrer und Biathleten aus. Mit Weltmeisterin Maria Riesch könnte zudem seit Langem mal wieder ein Olympiasieg im Slalom gelingen. Auch im Curling der Damen und - mit Abstrichen - beim Eisschnelllauf der Damen könnten Medaillen drin sein.
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