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Der goldene Kompass
20:15 - 22:25, 11.2.2010 (Vor 204 Tagen) - SAT.1    Redaktionstipp
Kategorie: Spielfilm, Fantasie
Dauer: 2 Stunden 10 Minuten

Man könnte Regisseur Chris Weitz' Film "Der goldene Kompass" (2007), der ersten Verfilmung einer Romantrilogie von Philip Pullman, ein wenig Kalkül vorwerfen. Immerhin: Die Individualität des Projektes ordnet sich bisweilen einem ansehnlichen Staraufgebot und dem Ausstattungs-Overkill unter. Aber das Fantasy-Märchen bleibt immer eine menschliche, warme Geschichte. Nun zeigt SAT.1 den Film in der Free-TV-Premiere, der beim Kinostart für Kontroversen sorgte: Der katholische Kirchenverband der Vereinigten Staaten wollte blasphemische Inhalte entdeckt haben und rief zum Boykott auf. Mit Teilerfolg: Während sich hierzulande fast 2,5 Millionen Kinozuschauer von der fantasievollen Bildgewalt begeistern ließen, blieb das Einspielergebnis in den USA hinter den Erwartungen zurück.

Lyra Belacqua (mit britischer Schnoddrigkeit von der bezaubernden Entdeckung Dakota Blue Richards gespielt) ist ein zwölfjähriges Mädchen mit roten Locken. Sie begibt sich nicht ganz freiwillig auf eine Reise in den geheimnisvollen Norden der Welt, um ihren Freund, wie sie ein Waisenkind, zu befreien. Und nebenbei muss sie noch die Machenschaften der undurchsichtigen Marisa Coulter (Nicole Kidman) aufdecken, die nur auf den ersten Blick eine Kinderfreundin ist, und Lyras Onkel (Daniel Craig) nach dem Leben trachtet.

Das Märchen startet mit erstaunlicher Normalität. Mit eben dieser Selbstverständlichkeit werden die Dämonen eingeführt - Tiere, die dem Wesen des Menschen entsprechen, bei Kindern oft noch von wechselhafter Gestalt. Diesen Bereich nutzt Chris Weitz ("New Moon - Biss zur Mittagsstunde") als Spielwiese für die Animationsabteilung, er driftet bisweilen ins Comichafte ab, was das elegische Werk im ersten Drittel angenehm auflockert. Dann beginnen jedoch Komparsenschlachten, tun sich unendliche Abgründe auf, wachsen obskure Gebäude in den Himmel, testen die Eisbären mit überlautem Gebrüll das Soundsystem. Die oscarprämierte Effekthascherei wirkt manchmal übertrieben. Und doch bleibt das mystische Abenteuer mit jeder Menge Sternenstaub menschlich und ist weitgehend kindgerecht.

Rund 180 Millionen Dollar Produktionskosten verschlang das aufwendige Projekt, das nur 70 Millionen Dollar wieder einspielte. Zu wenig: Die geplante Verfilmung des zweiten Teils der Fantasy-Buchreihe "His Dark Materials" mit dem Titel "Das magische Messer" liegt seither auf Eis.


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Der goldene Kompass (0:20 - SAT.1 - 12.2.2010), 3 Punkte